Sicherheit bei Bergwanderungen

Neuseelands reizvolle Natur und vielfältige Fauna zieht jährlich Tausende von Touristen an. Bevor ihr euch auf den Weg macht, Aotearoas wilde Landschaft und euren Aufenthalt im Freien in vollen Zügen zu genießen, solltet ihr euch mit fünf einfachen Outdoor-Sicherheitsregeln vertraut machen. Die meisten Zwischenfälle und unerfreulichen Ereignisse können durch gute Planung und realistischer Selbsteinschätzung vermieden warden. Vergeßt nicht, daß eure Sicherheit allein in eurer Verantwortung liegt. Seid euch daher eurer mentalen und physischen Grenzen bewußt.

Bei einer Bergwanderung in Neuseeland kann es leicht vorkommen, daß man die Gegebenheiten falsch einschätzt. Bei schönstem Wetter startet ihr von einem vollen Parkplatz aus und habt das Gefühl, daß ihr die ganze Tour in Shorts und T-Shirt bewältigen könnt und unterwegs viele andere Leute treffen werdet. Diese Annahme kann schnell zum Verhängnis werden, denn das Wetter ändert sich in Neuseeland extrem schnell und unvorhersehbare Umstände können dazu führen, daß die Wanderung viel länger dauert als erwartet.

Ein schöner Tag auf der Wanderung …
… kann sich plötzlich in einen Alptraum verwandeln, wenn ihr nicht angemessen ausgerüstet seid.

Obwohl wir unsere Wanderungen immer gründlich geplant haben, hatten wir dennoch einige Situationen außerhalb unserer Komfortzone zu meistern. Während unserer Wanderung am Mount Taranaki verschlechterte sich das Wetter erheblich, und ein Mitglied unserer Gruppe hatte mit gesundheitlichen Probleme zu kämpfen. Als Folge dessen kamen wir erst bei Dunkelheit und im Schneesturm in unserer Übernachtungs-Hütte an. Die ganze Nacht über haben wir gehofft, daß die Hütte den Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h standhalten würde. Bei einer weiteren Wanderung zwang uns heftiger Dauerregen nach zwei Tagen umzukehren. Wir mußten sogar ein Jetboot rufen, um dem schnell ansteigenden Hochwasser zu entkommen.

Wir wollen euch durch diese Erfahrungsberichte darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, sich auf die Touren gründlich vorzubereiten und sich mit den örtlichen Bedingungen vertraut zu machen.

Denkt daran, daß das Wetter und andere unvorhersehbare Umstände einen großen Einfluß auf eure Tour haben können und seid bereit, mit Krisensituationen umzugehen. Wenn ihr euch an die folgenden fünf Regeln haltet, könnte das im Notfall euer Leben und das eurer Freunde retten.

1. Plant die Wanderung im Voraus

Erstellt einen Zeitplan für eure Route und stellt fest, wie viel Zeit euer Trip in Anspruch nehmen wird.

Fragt Einheimische oder informiert euch im Internet über die aktuelle Situation und eventuelle Einschränkungen. Gebirgsrouten können gesperrt, Hänge abgerutscht, Hütten entfernt und Brücken überflutet sein. Besucht die DOC-Webseite oder das lokale Informationszentrum, um aktuelle Auskünfte zu erhalten.

Wählt eure Route entsprechend den Möglichkeiten, Fähigkeiten und Erfahrungen des am wenigsten kompetenten Mitglieds eurer Gruppe – seid dabei unbedingt realistisch. Und begebt euch auf gar keinen Fall alleine auf eine Wandertour!

Bevor ihr euch auf den Weg macht, stellt euch folgende Fragen: Bin ich auf alle möglichen Situationen vorbereitet? Habe ich eine topographische Karte der Gegend gesehen? Welche Navigationskenntnisse brauche ich? Wohin gehen wir und in welche Richtung? Wer kommt mit? Wie lange wird es dauern? Besteht die Gefahr von Lawinen auf dieser Route oder muß ein Fluß überquert werden? Brauche ich die Erlaubnis, ein Gebiet auf dieser Route zu durchqueren? Was sollten wir mitnehmen?

2. Teilt jemandem eure Pläne mit

Setzt jemanden von eurer Route und eurem Zeitplan in Kenntnis. Laßt denjenigen wissen, wann er Hilfe rufen muß, falls ihr nicht wie geplant zurückkommt. Das kann Leben retten.

Informiert ihn über das Datum der zu erwarteten Rückkehr, eure Kontaktdaten, die Registrierungsnummer eures Fahrzeuges und wo ihr parken werdet, eure geplante Route, die Hütten, in denen ihr übernachten wollt und die Ausrüstung, die ihr mitnehmt. Wenn ihr euch in einer Notlage befindet, die einen Rettungseinsatz erfordert, werden die Helfer so besser wissen, wo sie suchen und wie sie helfen können. Je mehr Details ihr hinterlaßt, desto besser.

Aus diesem Grund ist es auch von Vorteil, eure Pläne in die ‚Intentionsbücher‘ zu schreiben. Diese sind in jeder DOC-Hütte auf den offiziellen Trecks plaziert. Dokumentiert euren Besuch und weitere Pläne im Buch, auch wenn ihr nicht in der Hütte bleibt. Für den Fall, daß ihr euch verirrt, wird es so für das Rettungsteam einfacher sein, nachzuvollziehen, wo ihr wart und wohin eure nächste Etappe gehen sollte.

Bitte denkt immer daran, eure Kontaktperson unverzüglich über die Rückkehr von eurer Tour zu informieren.

Wenn eine Person vermißt wird, ruft 111 an und bittet die Polizei um Hilfe.

Ausführliche Anleitungen und Hilfen zur Erleichterung des gesamten Planungs-Prozesses findet ihr bei AdventureSmart.

3. Beobachtet das Wetter

Das Wetter in Neuseeland kann oft sehr unberechenbar sein und hat großen Einfluß auf die notwendige Ausrüstung bei Wanderungen in der Natur. Ein anfangs schöner und leicht zu bewältigender Ausflug bei gutem Wetter kann sich plötzlich in eine körperlich und mental anspruchsvolle Tour verwandeln, wenn das Wetter regnerisch und kalt wird. Das ist oft eine Frage von nur wenigen Augenblicken. Starker Wind, weicher Schnee oder ein anschwellender Fluß können dazu führen, daß man von der Route abweichen muß. Achtet immer auf die Wettervorhersage und seid auf einen Wetterumschwung vorbereitet. Metservice ist eine gute Informationsquelle für aktuelle Wettervorhersagen, Sturm- und Gewitterwarnungen sowie andere Wetterhinweise.

Es ist ebenso wichtig, sich darüber bewußt zu sein, daß Lawinenabgänge jederzeit auftreten können. Informiert euch über die Gefahren beim Wandern in Lawinengebieten und lernt, wie man sich bei einem Lawinenabgang verhalten muß. Für weitere Informationen über Lawinen besucht www.avalanche.net.nz.

Überprüft die Wettervorhersage, seid auf extreme Wetteränderungen eingestellt und denkt daran, daß schon mäßiger Niederschlag die Flüsse schnell anschwellen lassen kann. Wenn sich das Wetter verschlechtert, solltet ihr auch eine Umkehr in Betracht ziehen. Dabei sollte sich die Gruppe wieder nach der Ansicht des vorsichtigsten Tour-Teilnehmers richten.

4. Die eigenen Grenzen erkennen

Kennt und akzeptiert eure eigenen Grenzen und die eurer Gruppe. Plant neue Herausforderungen nur innerhalb eurer physischen Möglichkeiten und Erfahrungen. Das DOC weißt ihre Wanderrouten nach Schwierigkeitsgrad aus, die ein unterschiedliches Maß an körperlicher Fitneß und Erfahrung erfordern. Wenn ihr eine Route auswählt, seid realistisch.

Wenn ihr abseits der markierten Wege durch die Wildnis laufen wollt, müßt ihr nicht nur sehr erfahren sein, sondern auch über eine hervorragende körperliche Fitneß verfügen. Wollt ihr euch weitergehendes Wissen aneignen? Dann besucht die Mountain Safety Webseite des DOC oder meldet euch für einen Kurs an, in dem ihr lernt, in der Wildnis erste Hilfe zu leisten, mit gefährlichen Situationen umzugehen und zu überleben. Lernt die Regeln für das Durchqueren neuseeländischer Flüsse. Lest die Mountain Safety Publikationen. Lernt die Ursachen und Symptome von Hypothermie zu erkennen und zu behandeln. Reist mit erfahrenen Leuten und lernt von ihnen oder engagiert einen Führer.

Tretet einem Tramping- oder Kletterclub bei und nehmt an deren Ausflügen teil. Schaut euch die Webseiten des Federated Mountain Club an.

Wenn ihr in die neuseeländische Alpenregion reist, benötigt ihr spezielle Ausrüstung und Fähigkeiten. Erkundigt euch bei lokalen Experten, bevor ihr euch auf einen alpinen Ausflug begebt, oder überlegt euch, einen Führer der NZ Mountain Guide Association zu engagieren.

5. Führt ausreichend Vorräte mit euch

Stellt sicher, daß ihr ausreichend Lebensmittel, Kleidung und Ausrüstung dabei habt, einschließlich zusätzlicher Mahlzeiten für den Notfall. Vergeßt nicht, ein geeignetes Kommunikationsmittel mitzuführen und seid euch darüber bewußt, daß die Mobilnetze in abgelegenen Gegenden nicht funktionieren. Abhängig von euren Plänen solltet ihr einen persönlichen GPS-Lokalisierer, ein Funkgerät oder ein Satellitentelefon mieten. Weitere Informationen zu diesen Kommunikationshilfen findet ihr unter Mountain Safety.

Führt zu jeder Jahreszeit funktionale, warme und wasserdichte Kleidung mit euch; einschließlich Regenjacken, Mützen, Handschuhen, schnelltrocknende Kleidung, Thermoschutz und Wanderschuhe.

Nehmt immer eine Karte und einen Kompaß mit, sowie ein kleines Survival-Kit und Erste-Hilfe-Medikamente. Gruppenräume in den Hütten, die nicht im Voraus gebucht werden müssen, können möglicherweise komplett belegt sein. Richtet euch darauf ein und nehmt eine Decke oder einen Schlafsack mit, damit ihr nicht auf dem blanken Boden schlafen müßt.

Empfohlene Lebensmittel für Wandertouren sollten folgendes beinhalten:

  • Geringes Gewicht und kurze Garzeit – getrocknetes Gemüse, Trockenmilch usw. Entfernt immer die überschüssigen Verpackungen.
  • Hoher Energiewert – Lebensmittel sollten Proteine, Fette und Kohlenhydrate im Verhältnis 1: 1: 4 enthalten:
    1: Protein: Fleisch, Käse, Eier, Trockenmilch.
    1: Fette: Käse, Schokolade, Butter, Speck, Salami.4: Kohlenhydrate: Zucker, Gebäck, Müsli, Reis, Süßigkeiten, Trockenfrüchte.

Da Bergwandern eine höchst energieverbrauchende Sportart ist, empfiehlt es sich, Snacks wie Kekse, Nüsse, Rosinen, Süßigkeiten, Schokolade usw. mitzunehmen. Denkt auch an die Notfallversorgung – hier eignen sich Suppen, Nudeln, Sardinen, getrocknete Früchte und Kekse. Nehmt eine Mahlzeit mit, die nicht gekocht werden muß.

Vergeßt auch nicht, Tee, Kaffee und Kakao einzupacken. Nehmt Wasser mit, wenn ihr zu Orten fahrt, an denen es keine natürliche Quellen gibt. Besonders wenn ihr in Weidegebieten wandert oder nach starken Niederschlägen, ist es ratsam, das Wasser abzukochen, zu filtern oder mit Wasserreinigungstabletten zu purifizieren. Wir reinigen unser Wasser mit der SteriPen UV-Lampe, die ihr zum Beispiel bei Amazon, bei steripen.de oder in den meisten neuseeländischen Outdoor-Läden findet.

Für weitere Informationen, besucht www.adventuresmart.org.nz und natürlich die DOC-Seite.

Tip: Das NZ Mouintain Safety Council für Outdoor-Sicherheit hat ein interessantes Video erstellt, um an die oben genannten Sicherheitsregeln in freier Natur zu erinnern.

 

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