Arbeit im Kiwi-Verpackungshaus: Wie man den Job bekommt und was man erwarten darf

Neuseeland ist einer der weltweit führenden Produzenten von Kiwi-Früchten. Die auf den Kiwi-Plantagen geernteten Früchte werden in Packhäusern gesammelt und für den Export an die Kunden vorbereitet. Wenn ihr nicht gerne im Freien auf einer Plantage arbeitet, könnte die Arbeit in einem Packhaus eine interessante Alternative für euch sein. Diese Arbeit ist nicht wetterabhängig. Zusätzlich zu dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn wird die Auszahlung für geleistete Überstunden euer Einkommen erheblich erhöhen. Große Packhäuser bieten auch Nachtschichten an.

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Wann, wie lange und wo werden Arbeitskräfte benötigt?

Die Erntesaison für Kiwi-Früchte beginnt im neuseeländischen Herbst, Anfang April. Das Ende der Erntezeit ist schwer vorauszusagen, da es von Jahr zu Jahr differiert und sowohl vom Ernte-Aufkommen als auch vom Wetter abhängig ist. Aber auch nach Beendigung der Erntearbeiten dauert die Arbeit im Packhaus noch mindestens zwei bis drei Monate an.

Die meisten Packhäuser befinden sich auf der Nordinsel, in der Bay of Plenty und in Hawkes Bay, allerdings werden auch in der Region um Motueka im Norden der Südinsel grüne Kiwis sowie die seltenere goldene Variante angebaut. Somit bestehen auch dort Jobmöglichkeiten in Packhäusern.

Wie finde ich einen Job?

Der effektivste Weg, einen Job in einem Packhaus zu bekommen, ist eine persönliche Empfehlung von jemandem, der entweder in einem Packhaus gearbeitet hat oder bereits in der aktuellen Saison dort arbeitet. Eine solche Empfehlung kann euch nicht nur einen direkten Kontakt mit dem Manager verschaffen, sondern auch einen guten Einblick in die Rolle übermitteln.

Wenn ihr niemanden kennt, der euch empfehlen könnte, so findet ihr eine Übersicht über Packhäuser in diesem Artikel sowie unter www.picktheworld.org. Mit Hilfe der dort angegeben Daten könnt ihr einen persönlichen oder telefonischen Kontakt mit dem verantwortlichen Manager herstellen.  

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 Weißt du, wie die Kiwi-Frucht ihren Namen bekommen hat?

Im Jahr 1904 wurden die ersten Samen der chinesischen Frucht Yang Tao nach Neuseeland importiert. Dort wurde sie unter dem Namen Chinesische Stachelbeere bekannt. Die Kiwi-Frucht wurde erst 1959 umbenannt, als man nach einem Eigennamen für den Export nach Nordamerika suchte. 

Wie viel kann man verdienen?

Erfolgreichen Bewerbern wird in den meisten Fällen der Mindeststundenlohn angeboten. Wenn ihr in eine verantwortungsvollere Position aufrückt, kann sich der Stundenlohn um bis zu einem Dollar erhöhen. Im Gegensatz zu den Arbeiten auf einer Plantage, die bei schlechtem Wetter nicht ausgeführt werden, sind freie Tage im Packhaus eher eine Ausnahme. Ihr werdet mindestens 48 Stunden pro Woche arbeiten, aber die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden kann bis auf 70 ansteigen

Die übliche Arbeitswoche hat sechs Tage, der Sonntag ist normalerweise frei. Die größten Packhäuser in der Bay of Plenty arbeiten in zwei Schichten, einer Tagesschicht (ca. 8 bis 17 Uhr) und einer Nachtschicht (ca. 18 bis 3 Uhr), in anderen Packhäusern wechseln sich die Tagesschichten mit Spätschichten ab (ca. 18 bis 22 Uhr). Während der Hochsaison kann es erforderlich sein, daß die Mitarbeiter an manchen Tagen in der Tages- und der Spätschicht arbeiten. Das bedeutet zwar eine sehr schöne Bezahlung, aber auch fast keine Freizeit.

Arbeitsposition

Es gibt eine Reihe von Positionen, die ihr im Packhaus erledigen könntt. In der Regel werden Frauen für leichtere körperliche Arbeit eingesetzt.

Der Verpackungsprozess beginnt mit dem Sortierer (grader). Dieser beurteilt die Qualität der Früchte und entscheidet, ob die Kiwis zur Güteklasse 1 oder 2 gehören oder zum Saften bestimmt sind. Aus unserer persönlichen Erfahrung ist dies der anspruchsvollste Job im Packhaus. Der Sortierer darf seine Augen nicht einmal für einen Augenblick von den Früchten auf dem Laufband abwenden, da die Anforderungen, die von den Betreuern gestellt werden, sehr hoch sind. Wenn ihr feststellt, daß dieser Arbeitsplatz nicht zu euch paßt, solltet ihr euch nicht scheuen, den Manager um eine Versetzung auf eine andere Position zu bitten.

 Wißt ihr, wohin die qualitativ hochwertigsten Kiwi-Früchte aus Neuseeland verschickt werden?

Nach Japan; in Neuseeland selbst werden nur Früchte der Güteklasse 2 zum Verkauf angeboten. Da diese geschmacklich der Klasse 1 in nichts nachstehen, sind Neuseeländer durchaus mit Früchten zufrieden, die nicht so aussehen, als wären sie in der Fabrik in Form gepresst worden.

Eine angenehmere Aufgabe ist es, die Früchte in die Kartons zu legen, die dann von den Packern (packer) weiterverarbeitet werden. Diese haben die Aufgabe, die Kartons zu überprüfen und zu verpacken. Danach werden die Kartons auf dem Verpackungsband weiter zu den Staplern (stocker) transportiert. Die Arbeit des Staplers wird normalerweise von einem Mann ausgeführt, da sie schwere körperliche Tätigkeiten beinhaltet. Der Stapler etikettiert die Kartons und stapelt die Kisten auf Paletten. Ihr könnt jedoch auch eine Position im Packhaus bekommen, bei der ihr nur minimalen Kontakt mit den Früchten habt, wie z.B. beim Falten der Kartons und der Auslieferung der Kisten zu den Packern.

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Ihr könnt auch für alle der bislang aufgeführten Arbeiten für die Früchte der Güteklasse 2 eingeteilt werden. Alles bleibt gleich, allerdings wird eure Tätigkeit etwas weniger streng vom Supervisor kontrolliert, wenn ihr diese billigeren Kiwi-Früchte verarbeitet. Manchmal erhalten Reisende mit einem Working Holiday Visum bessere Positionen, wie zum Beispiel das Erfassen von Daten, das Überprüfen von Etiketten oder der Paletten- oder Fruchtqualität. Die zuerst genannten Positionen sind jedoch am häufigsten.

Was tun gegen die Eintönigkeit?

Obwohl wir zu Beginn der Saison von der relativ guten Zusammenarbeit mit unseren Freunden begeistert waren, ermüdete uns die Arbeit im Packhaus sehr schnell. Dies ist eine monotone Aktivität, bei der man sich leicht wie ein Roboter fühlt.

In den meisten Packhäusern ist es aus sicherheitstechnischen Gründen nicht erlaubt, Musik über Kopfhörer zu hören. Also ist die einzige Möglichkeit, die eintönige Routine zu überleben, Freunde zu finden, die einen über Wasser halten. Dadurch verbessert ihr nicht nur euer Englisch, sondern lernt auch viel über fremde Länder. Und wenn euch irgendwann die Themen ausgehen, könnt ihr versuchen, Puzzles zu machen oder Wortspiele zu spielen. Ich hätte nicht geglaubt, daß das Spiel Rate wer ich bin so extrem viel Spaß machen kann, bis ich es mit meinen Freunden am Verpackungsband gespielt habe.

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